Geschichte der Grassmayr Giessereien

Vorwort

Namen erscheinen wie sie in den damaligen Matriken der katholischen Kirche eingetragen wurden. Die historische Abfolge ab ±1600 ist weitgehend den Büchern Die Feldkircher Glockengießer und Fabrikanten Graßmayr (Rainer Bayer, 1989) und Die Glockengießerfamilie Grassmayr (Jörg Wernisch, 2012) entnommen.

Brixen 1597-1873

Oswald

Oswald
±1575-1626
Am 8. Juni 1597 heiratete Oswald, der Sohn des Hafen­gießers Blasius Graßmayr, die Witwe Magdalena Forchner in Brixen. Nachdem Magdalena gestorben war, heiratete er die Barbara Brunner. Als auch die zweite Frau starb, heiratete er in dritter Ehe die Afra Oberhofer. [1]

Insgesamt hatte Oswald 12 Kinder.

In Urkunden aus den Jahren 1586 und 1592 wird der Verkauf von Grundstücken bzw. dem Nutzungs­recht von Grund­stücken auf dem Lärchhof in Tumpen von Christan Graßmayr an Blasius Graßmayr erwähnt. [2] [3] Augustin Jungwirth nennt ein Revers vom 30. Februar 1577 von Blasius Graßmayr und seiner Frau Ursula über den Kauf von vier Kuhfuhren von Georg Graßmayr [in Tumpen]. [4]
Weiter nennt Jungwirth die Ein­bürgerung in Brixen von Christian Graßmayr im Jahr 1570, und auch dass Hans Graßmayr die Bewilligung einer Guss­hütte am Roßlauf in Zingen erhielt am 5. August 1591. [5]
Wenn Hans, Blasius und Christan von Tumpen dieselben Personen sind wie Hans, Blasius und Christian von Brixen, so wäre dies harter Beweis dafür, dass die Brixener Graßmayr ursprünglich aus dem Ötztal stammen.

Von Oswald ist ein Schriftstück über die Lieferung einer Glocke im Jahre 1615 erhalten geblieben. [6] Er war somit der erste Glocken­gießer der Graßmayr-Dynastie.

Gießerei Brixen

Gießerei in Brixen
Notiz 1615

Notiz zur Lieferung einer Glocke im Jahr 1615
Sein Sohn Benedict (1608-1662) führte das Geschäft weiter. Er und seine Frau Ursula Zwerger hatten fünf Kinder, deren ältester Sohn, Lucas (1632-1692), der nächste Glocken­gießer war. Eine Glocke, gegossen 1637 von Hans Schellener der Ältere und Benedict Graßmayr, befindet sich in der Pfarrkirche zu Natz. [7]

Ihm folgte Georgius (1661-1720) mit seiner Frau Anna Maria Maurer und zwölf Kindern. In Sankt Jakob in Südtirol läutet noch heute eine von ihm gegossene Glocke aus dem Jahr 1697. [8]

Benedict

Benedict
1608-1662
Lucas

Lucas
1632-1692
Georgius

Georgius
1661-1720

Glocke gegossen von Hans Schellener der Ältere und Benedict Graßmayr im Jahr 1637, Pfarrkirche zu Natz (2 MB)

Glocke gegossen von Georgius Graßmayr im Jahr 1697, Pfarrkirche zu Sankt Jakob in Südtirol (2 MB)

Für seine hervorragenden Leistungen erhielt der Glocken­gießer Georgius Graßmayr 1692 vom Bischof Johan Graf von Kuen einen bürgerlichen Wappen­brief mit dem Titel Grassmayr Georg, Bürger, Glocken- und Häfengießer zu Brixen und dessen Leibes­erben Wappenbrief. [9] [10]

Wappenbrief 1692

Wappenbrief 1692
Joseph (Brixen)

Joseph
1690-1765
Joseph (1690-1765), der älteste Sohn von Georgius, war zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe mit Elisabeth Maria Cuprian sind keine Kinder bekannt. Mit der zweiten Frau, Maria Joanna Stainer, hatte er fünf Töchter und einen Sohn. Als er starb, gab es jedoch niemanden, der das Werk weiterführen konnte.

Hilfe aus Habichen, Feldkirch und Wilten

Joannes Jacobus

Joannes Jacobus
1726-1786
Franciscus Antonius

Franciscus Antonius
1763-1824
Josephus Aloisius

Josephus Aloisius
1805-1858
Josephs älteste Tochter, Maria Johanna, opferte sich auf dem Traualtar und heiratete den Habicher Glockengießer Joannes Jacobus (1726-1786).

Deren erster Sohn wurde Priester und der zweite heiratete nie. Folglich war der dritte Sohn, Franciscus Antonius (1763-1824), dazu bestimmt die Gießerei zu übernehmen. [11]

Sein Nachfolger war sein einziger Sohn Josephus Aloisius (1805-1858). Da dieser nie geheiratet hat und somit kein Nachfolger vorhanden war, erlosch mit ihm die Brixener Linie der Familie Graßmayr zum zweiten Mal.

Joseph Anton II

Joseph Anton II
1827-1882
Jakob

Jakob
1803-1873
Um den Betrieb zu retten, zog Joseph Anton II. 1858 von Feldkirch nach Brixen. Er blieb etwa zwei Jahre, bis Jakob, der jüngere Bruder von Johannes Nepomuk in Wilten, die Glocken­gießerei übernahm. [12] [13]

Jakob (1827-1873) war verheiratet mit Barbara Sprenger, mit der er drei Kinder hatte, die alle in Wilten zurück­blieben. Nach seinem Tod verkauften die Kinder 1874 den Familien­besitz. [14]

Damit endete der fast 300-jährige Gießerei-Betrieb der Familie Graßmayr in Brixen.

Glockengießer in Brixen

Name Geburt Tod Gattin
Blasius ±1540 nach 1597 Ursula
Oswald ±1575 1626 Magdalena Forchner
Barbara Brunner
Afra Oberhofer
Benedict 1608 1662 Ursula Zwerger
Lucas 1632 1692 Barbara Zayer
Georgius 1661 1720 Anna Maria Maurer
Joseph 1690 1765 Maria Cuprian
Maria Joanna Stainer
Joannes Jacobus 1726 1786 Maria Johanna Graßmayr
Franciscus Antonius 1763 1824 Elisabetha Peintner
Josephus Aloisius 1805 1858  
Joseph Anton II. 1827 1882 Rosina Maria Melk
Jakob 1803 1873 Barbara Sprenger