Geschichte der Grassmayr Giessereien

Vorwort

Namen erscheinen wie sie in den damaligen Matriken der katholischen Kirche eingetragen wurden. Die historische Abfolge ab ±1600 ist weitgehend den Büchern Die Feldkircher Glockengießer und Fabrikanten Graßmayr (Rainer Bayer, 1989) und Die Glockengießerfamilie Grassmayr (Jörg Wernisch, 2012) entnommen.

Feldkirch 1785 - 1914

Jacobus Vitus

Jacobus Vitus
1755-1829
Mathäus

Mathäus
1763-1821
Giesserei Feldkirch

Gießerei in Feldkirch
Jacobus Vitus (1755-1829) und Mathäus (1763-1821) kamen wahr­schein­lich um 1785 mit ihrem älteren Bruder Joannes Nepomucenus nach Feldkirch. Während letzterer nach Habichen zurück­kehrte, ließen sich die ersten beiden Brüder dauerhaft in Feldkirch nieder.

Jacobus Vitus erhielt 1791 das Bürgerrecht der Stadt Feldkirch. Er kaufte das Haus Marktgasse Nr.1 und erbaute sich darin eine eigene Gießerei. In den folgenden Jahren wurden dort mehr als 1000 Glocken gegossen. [1] Er heiratete Maria Elisabetha Cristina Neyer, mit der er neun Kinder hatte.

Mathäus - der sich Mathias nannte - hat nie gehei­ra­tet und er beantragte auch nie das städtische Bürger­recht. [2] Er lebte in Feldkirch bis zu seinem tragischen Tod im Jahr 1821, als er am 28. Juli von einer Glocke im Unterleibe zerdrückt wurde. [3]

Joseph Anton I.

Joseph Anton I.
1799-1840
Nach dem Tod von Jacobus Vitus übernahm sein ältester Sohn Joseph Anton I. (1799-1840) die Gießerei. Er heiratete Maria Anna Katharina Zimmermann, die ihm acht Kinder gebar. Er war kaum 40 Jahre alt, als er beim Transport einer Kanone von der Schatten­burg zur Gießerei auf tragische Weise ums Leben kam: Die Kanone hatte das Ueber­gewicht, die Deichsel zer­schmetterte ihm den forder Kopf, warf ihn zurück auf die Kanone, die ihm den hindern Kopf zerschmet­terte. [4]

Jakob Anton, der jüngere Sohn von Jacobus Vitus, übernahm eine Gießerei in Bozen. Er heiratete dort die in Dalmatien geborene Rosa Übler. Nur sechs Jahre später erkrankte er und starb, woraufhin seine Witwe mit den Kindern zu ihren Schwiegereltern in Feldkirch zog. [5]

Joseph Anton II.

Joseph Anton II.
1827-1882
Der nächste Glockengießer in Feldkirch war Joseph Anton II. (1827-1882). Sein Meisterwerk war der Neu­guss der großen Glocke des Katzenturms. Er heiratete die Rosina Melk und das Paar hatte vier Kinder.

Läuten der Katzenturm-Glocke (2 MB)


Kurz nach der Hochzeit Joseph Antons II. starb der ledige Glocken­gießer Josephus Aloisius Graßmayr in Brixen. Um den Betrieb zu retten, zog Joseph Anton 1858 nach Brixen. Er blieb dort, bis Jakob, der jüngere Bruder von Johannes Nepomuk in Wilten, die Glocken­gießerei übernahm. [6] [7]

Als Joseph Anton II. im Jahr 1882 starb, war seine Nachfolge nicht sofort geklärt. Der 20-jährige Sohn Joseph Anton III. wurde aufgrund seines Alters abgelehnt. Im Jahre 1886 hatte sich die Situation schließlich insofern stabilisiert, dass seine Schwester Maria Katharin und sein Bruder Raimund August die alleinigen Inhaber der Firma waren. [8] Maria Katharin und Raimund August traten 1904 aus der Firma aus zu Gunsten von Joseph Maximilian Greußing, Sohn von Maria Katharin Graßmayr, und dessen Kinder Rudolf Albert und Franz Xaver. [9]

Um 1910 eröffnete das Familienunternehmen eine Neben­stelle in Buchs, um die Zollvorschriften zu umgehen und die Vorteile einer besseren Erschließung des Schweizer Marktes zu nutzen. [10] Dies konnte jedoch den Untergang der Firma nicht mehr verhindern und am 25. Januar 1914 erklärte das Bezirks­gericht Feldkirch den Konkurs der Glockengießerei. [11]

Somit war Joseph Anton II. der letzte Glockengießer in Feldkirch mit dem Namen Graßmayr.


Nach dem Streit um die Nachfolge zog Joseph Anton III. mit seiner Mutter und seinen Schwestern nach Innsbruck und gründete schließlich seine eigene Glockengießerei in Absam. [12]

Glockengießer in Feldkirch

Name Geburt Tod Gattin
Jacobus Vitus 1755 1829 Maria Elisabeth Cristina Neyer
Joseph Anton I. 1799 1840 Maria Anna Katharina Zimmermann
Joseph Anton II. 1827 1882 Maria Rosina Melk
Raimund August  1834 1909  
Rudolf Albert Greußing 1876 1956 ?
Franz Xaver Greußing 1877 1940 Amalia Mirwald