Geschichte der Grassmayr Glockengiessereien

Vorwort

Namen erscheinen wie sie in den damaligen Matriken der katholischen Kirche eingetragen wurden. Die historische Abfolge ab ±1600 ist weitgehend den Büchern Die Feldkircher Glocken­gießer und Fabrikanten Graßmayr (Rainer Bayer, 1989) und Die Glocken­gießer­familie Grassmayr (Jörg Wernisch, 2012) entnommen.

Tumpen 1500-1620

Kaufvertrag 29-03-1595

Präambel des Kaufvertrags
vom 29. März 1595
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gab es in Tumpen im Ötztal eine Hafen­gießerei. Das wissen wir, weil der Hafengießer und Bauer Hans Graßmayr am 29. März 1595 von Heys (= Mathias) Rettenpach aus Habichen ein Grundstück auf dem Lärchhof in Tumpen kaufte. [1] Der um 1530 geborene Hans war der Sohn von Georg Graßmayr, wie aus einer Verwandtschafts­erklärung vom 22. Jänner 1566 hervorgeht, aus der Augustin Jungwirth [2], Rainer Bayer [3] und Jörg Wernisch [4] in leicht unterschiedlicher Weise zitieren.

Namenforscher wie Tarneller sind der Meinung, daß die Familie Graßmayr in Tumpen Nach­kommen der Bewohner des Grasmair­hofs in Algund bei Meran sind. [5]

Am 24. November 1647 heiratete Christianus Graßmayr die Maria Singer. [6] Christianus wurde um 1620 geboren und war Gastwirt und Hafengießer in Habichen. [7] Die Frage ist, wie hießen die Hafen­gießer zwischen Hans und Christianus?

Augustin Jungwirth gibt den ersten Hinweis: 1626 werden Hans und Stefan, Söhne von Hans zu Tumpen, erwähnt. [8] Jörg Wernisch fügt in Klammern hinzu: damit dürfte Hans Graßmayr, der Hafengießer, gemeint sein. [9] Aufgrund des Alters­unter­schieds ist dies kaum möglich, aber er könnte durchaus der Sohn des Hafengießers Hans aus Tumpen sein. Da er nicht genannt wird in der oben erwähnten Verwand­schafts­erklärung, wurde er nach 1566 geboren. Wir können davon ausgehen, dass das Geburtsjahr vor etwa 1580 liegt, da seine Enkelin Gertrude, Stefans Tochter, 1637 geboren wurde. [10]

Die unbeantworteten Fragen sind: War Christianus ein Enkel des Hafen­gießers Hans von Tumpen und wie lautete der Name seines Vaters?

Bartlmes Wanderbuch

Bartlmes Wanderbuch 1691
Otto Knitel beschreibt stimmungsvoll wie der 28-jährige Bartlme, Sohn des Hafen­gießers Hans von dem Lärchhof in Tumpen, 1599 mit seinem Wanderbuch als müder Wanderer keuchent durch den schweren Schnee des späten Nachwinters heimkehrt. [11] Die von Knitel abgebildeten Seiten stammen jedoch aus den Jahren 1691 und 1693, und gehörten Bartholomäus, dem jüngsten Sohn von Christianus Graßmayr und Maria Singer, der genau hundert Jahre später geboren wurde. [12] [13] Das macht nicht nur diese Geschichte, sondern auch den Namen Bartlme fragwürdig.

Da es in Oetz um 1600 ein Ehepaar namens Bartholomäus Graßmayr und Maria Schöpf gab, [14] ist es nicht auszu­schließen, dass der Vater von Christianus in Habichen durch Zufall tatsäch­lich Bartholomäus hieß.

In einer Urkunde aus dem Jahr 1586 wird der Verkauf von Grund­stücken bzw. dem Nutzungs­recht von Grund­stücken auf dem Lärchhof in Tumpen von Christan Graßmayr an Blasius Graßmayr erwähnt. [15] Augustin Jungwirth nennt ein Revers vom 30. Februar 1577 von Blasius Graßmayr und seiner Frau Ursula über den Kauf von vier Kuhfuhren von Georg Graßmayr [in Tumpen]. [16] Christan und Blasius waren wahr­schein­lich Brüder des Hafen­gießers Hans von Tumpen.

Hafengießer in Tumpen

Name Geburt Tod Gattin
Georg ±1500 vor 1586 ?
Hans ±1530 nach 1595 ?
Hans nach 1566
vor 1580
? ?
Bartholomäus ±1595 nach 1642 Maria Schöpf
Christianus ±1620 1673 Maria Singer