Habichen 1620 - 1785
Heidenhaus und Glockenhof
Heidenhaus in Habichen 1895
Das alles stimmt nicht, denn an dem Tag wurde kein Haus, sondern ein Grundstück auf dem Lärchhof verhandelt. [2] Erst Christianus Graßmayr und seine Frau Maria Singer lebten nachweisbar in Habichen.
In einem Brief vom 20. November 1857 von Petrus Graßmayr in Habichen an seinen Bruder Johannes Nepomuk in Wilten, wird ein Heidenhaus in Habichen erwähnt, ein Haus aus uralten Heidenzeit. Petrus berichtet, dass hier die Glockengießerei in Habichen um 1650 einen Anfang genommen hat und dass es bereits früher eine Hafengießerei gab. Man solle aber ja nicht glauben, schreibt er weiter, dass hier um 1550 schon eine Gießerei war. Der erste Glockengießer sei Christian Graßmayr gewesen. [3]
Aus den Aufzeichnungen von Augustin Jungwirth geht hervor, dass Christian Graßmayr, gestorben 1773, der erste Besitzer des Hauses Nr.83 in Habichen war, und dass sein Sohn Bartlmä, geboren 1670, das Haus Nr. 80 besaß. Dieser Bartlmä war in Brixen in die Lehre gegangen und began in Habichen das Glockengießerhandwerk. [4]
Hausnummer Heidenhaus
Balkeninschrift Glockenhof
Die Hausnummern müssen später geändert worden sein, denn auf der Fassade des Heidenhauses sind heute die Nummern 874 und 875 aufgemalt. Wir wissen, dass Conradus, der Urenkel von Bartholomäus, 1784 starb in Hausnummer 876. [5] Ob die letzte Nummer ebenfalls zum Heidenhaus gehörte, wird wohl nie geklärt werden.
In der heutigen Zeit wurden die Häuser erneut umnummeriert, denn die Anschriften des Heidenhauses und des Glockenhofs lauten nun Habichen 109 beziehungsweise 108.
Glockengießer
Kinder von Christianus und Maria Singer
Bartholomäus der Ältere
1670-1722
Bartholomäus (1670-1722) war verheiratet mit Eva Leiter, und dieser Ehe entsprossen sechs Kinder. Bei der Taufe der Kinder wurde er campanarum fusor (= Glockengießer) genannt. [9]
Der erste Glockenguß in Habichen dürfte also um 1695 stattgefunden haben. Die Sterbeglocke in der Pfarrkirche zum heiligen Laurentius in Bichlbach (Tirol) wurde kurz darauf, im Jahre 1704, gegossen. [10]
Jacobus (1700-1742) übernahm den Betrieb seines Vaters. Er heiratete Maria Oliva Khuen, die ihm neun Kinder schenkte, von denen Joannes Jacobus nach Brixen übersiedelte um dort die Gießerei weiterzuführen und Wolfgang Bartholomäus den Betrieb in Habichen übernahm.
Johannes Nepomuk
1801-1883
Joannes Nepomucenus (1753-1822) zog um 1785 nach Feldkirch, wo er 1787 eingebürgert wurde. Er gründete dort eine Gießerei, kehrte aber schon 1788 nach Habichen zurück, wo er bis zu seinem Tode gearbeitet hat. [11] [12]
Ihm folgte sein einziger Sohn, Bartholomäus Mathias (1802-1824), der nur zwei Jahre nach seinem Vater starb. Da er nicht verheiratet war, übernahm sein Vetter Johannes Nepomuk (1801-1883) die Gießerei. Im Jahre 1836 verlegte dieser den Betrieb von Habichen nach Wilten bei Innsbruck. [13] [14]
Damit kam die 300-jährige Gießerei-Tradition im Ötztal zu einem Ende.
Da die Ehe von Joannes Nepomuk und Elisabeth Lener kinderlos blieb,
wurde der Neffe Joseph Graßmayr (1839-1899) sein Nachfolger in Wilten.
Auch die Ehe von Joseph und Emma Antonia Knitel blieb kinderlos,
und das Unternehmen gelangte testamentarisch in die Hände der Familie Knitel.
[15]
Glockengießer in Habichen
| Name | Geburt | Tod | Gattin |
|---|---|---|---|
| Christianus | ±1620 | 1673 | Maria Singer |
| Bartholomäus | 1670 | 1722 | Eva Leiter |
| Jacobus | 1700 | 1742 | Maria Olivia Khuen |
| Wolfgang Bartholomäus | 1724 | 1784 | Petronilla Schöpf |
| Joannes Nepomucenus | 1754 | 1822 | Juliana Kloz |
| Bartholomäus Mathias | 1802 | 1824 | |
| Johannes Nepomuk | 1801 | 1883 | Elisabeth Lener |